Wenn die Feuerwehr gerufen wird, ist es zu spät. Zu spät für Vorsorge und Sicherheitsmaßnahmen, die vielleicht ein Unglück verhindert, wenigstens aber das Ausmaß gemildert hätten. Wir möchten Sie an unserer Erfahrung teilhaben lassen. Wir haben an dieser Stelle wichtige Tipps zusammengestellt, die Ihnen - besonders im privaten Bereich - äußerst hilfreich sein können.

Selbstentzündung von Ernteerzeugnissen und Düngemitteln

Sommerzeit ist auch Erntezeit. Dadurch ergeben sich gerade in der Landwirtschaft jedes Jahr aufs Neue große Gefahrenpotenziale, die unter Umständen für einen enormen wirtschaftlichen Schaden die Verantwortung tragen können. Jährlich verlieren Menschen Haus und Hof und etliche Tiere finden in den Flammen einen qualvollen Tod. Die angerichteten Schäden durch Selbstentzündungen von Ernteerzeugnissen zeichnen sich durch steigende Tendenz aus.

Dabei handelt es sich nicht um ein unvermeidliches Betriebsrisiko für den Landwirt. Agrarwissenschaftler und Brandschutzexperten kommen zu dem Schluss, dass Selbstentzündungen sehr wohl vermeidbar sind.


Ernteerzeugnisse, die zur Selbstentzündung neigen, sollten nur dann eingelagert werden, wenn sie lagerfähig ausgetrocknet sind oder durch Lüftungseinrichtungen hinreichend nachgetrocknet werden. Jeder Betriebsleiter ist verpflichtet, die eingelagerten Vorräte regelmäßig mit geeigneten Messvorrichtungen (Heumesssonden) auf Erwärmungserscheinungen zu überprüfen.

Die Mindestzeit für die Trocknung auf dem Felde beträgt 4 regenfreie Tage, wobei die Bodenbeschaffenheit und Düngung zu berücksichtigen sind. Auf eine ausreichende Trocknung ist unbedingt zu achten; verkürzte Trocknungszeiten in heißen Sommern mit direkter Sonneneinstrahlung sind brandgefährlich.

Jedes Heulager "schwitzt" zwei bis zehn Wochen nach der Einlagerung. Das muss so sein und ist für die Bekömmlichkeit (den wirtschaftlichen Nutzen) des Futters von großer Bedeutung. Überhitzt sich aber das Heu, sinkt der Futterwert. Die Brandgefahr steigt!
Vom 2. bis zum 5. Tag nach dem Einfahren steigt die Temperatur, geht dann leicht zurück und erhöht sich wieder ab der dritten Lagerwoche.

Gut durchgetrocknetes, trocken eingefahrenes und trocken lagerndes Heu ist gegen Überhitzung weitgehend sicher. Dennoch kann es bei besonderen Umständen zu gefährlicher Selbsterhitzung, ja sogar zur Selbstentzündung kommen: Hoher Eiweißgehalt des Futters, Verdichtung bei Einlagerung mittels Fördereinrichtungen, Druckzonen durch dichte Stapelung von Pressballen.

Feucht eingefahrenes (mehr als 20% Feuchtigkeitsgehalt sind gefährlich) oder in der Scheune nass gewordenes Heu, z.B. durch Erdfeuchte oder durch Regennässe, neigt bald zu übermäßiger Erhitzung. Bereits zwei bis drei Tage nach der Einlagerung kann sie gefährliche Werte erreichen.

Wann wird die Erhitzung gefährlich?
Infopoint
    -45 Grad Celsius: normal, ungefährlich
    -50 bis 60 Grad Celsius: bedenklich
    -60 bis 70 Grad Celsius: brandgefährlich, unverzüglich die Feuerwehr verständigen
    -über 70 Grad Celsius: hohe Brandgefahr, sofort die Feuerwehr (112) rufen!

Achtung: über 80 Grad Celsius: akute Brandgefahr, Brandausbruch jederzeit möglich!

Die gefährliche Selbsterhitzung erfasst nicht gleich das gesamte Heulager. Zuerst bilden sich einzelne Erhitzungszentren, z. B. in einzelnen Pressballen. Später entwickeln sich diese Erhitzungszonen zu Glutnestern und Glutkanälen nach außen.

Pressheulager sind keinesfalls - wie mitunter angenommen wird - vor Selbstentzündung sicher. Sie wird vielmehr begünstigt durch die hohe Verdichtung im Einzelballen, in Zusammenwirkung mit dichter Stapelung. Besonders gefährdet sind ungeteilte Pressstapel von                      100 bis 500 cbm Größe.

Damit Sie von einem Schaden verschont bleiben, rufen Sie in kritischen Fällen Ihre Ortsfeuerwehr zur Hilfe.

Brandgefährliche Selbsterhitzung ist mit den Sinnesorganen wahrzunehmen

    -mit den Augen: Wasserdampf steigt über dem Heulager auf, das Heulager sinkt stellenweise ein, Rauch steigt auf, (höchste Gefahr!)
    -mit der Nase: Geruch nach faulen Äpfeln, frischem Brot, brandigem Kaffee, nach Feuer (höchste Gefahr!).

Achtung: Bei Brandausbruch im Heulager sofort die Feuerwehr alarmieren! Ein derartiger Brand entwickelt sich zu schnell, als dass eigene Löschversuche Erfolg versprechen!

Erkenntnis aus diesen Fakten:

Kein Landwirt kann nach der Ernte hundertprozentig sicher sein, dass sein Raufuttervorrat von einer Selbstentzündung verschont bleiben wird. Geeignete Brandverhütungsmaßnahmen sind deshalb in jedem Fall notwendig.

Wie Sie geeignete Brandverhütungsmaßnahmen ergreifen können:

Dach und Wände der Scheune müssen stets regendicht sein. Der Boden darf keine Erdfeuchte eindringen lassen und muss ausreichend isoliert sein.
   

Heu und andere ähnliche Ernteerzeugnisse auf dem Felde nach Möglichkeit gut durchtrocknen lassen und trocken einfahren. Kann beides aus klimatischen oder arbeitstechnischen Gründen nur kurzzeitig am Boden getrocknet werden, so muss es unter Dach nachtrocknen (Be- oder Entlüftungsanlage). In diesem Fall muss das Heulager besonders sorgfältig auf Selbsterhitzung überwacht werden.
   

Größe der einzelnen Heustapel so begrenzen, dass gute Durchlüftung möglich ist und der gesamte Stapel mit der Heusonde überall erreicht werden kann (größte Länger einer Heusonde 4 Meter).
   

Bei Benutzung von Fördereinrichtungen (Höhenförderer, Heugreifer) das Heu unter den Abwurfstellen gleichmäßig verteilen, damit lokale Verdichtungszonen vermieden werde. Andernfalls bilden sich Erhitzungsnester.
   

Temperaturentwicklung mit der Heusonde bald nach der Einlagerung messen. Besonders zeit- und kräftesparend in der Anwendung und zudem auch für Pressheu-Lager geeignet ist das Heumessgerät "Aurich": Es zeigt bereits eine Minute nach dem Einführen in den Heustapel die Temperatur an.
   

Beim Messen systematisch vorgehen. Gleichmäßig verteilt über den ganzen Heuvorrat im Raster von 1 bis 1,5 m die Messungen vornehmen. Der Heuvorrat (besonders im Gulf) muss mindestens drei Monate lang regelmäßig gemessen werden. Zur Dokumentation der gemessenen Heutemperaturen erhalten Sie bei der Ostfriesischen Brandkasse einen Heumesskalender.

Außerdem hat die Ostfriesische Landschaftliche Brandkasse den ostfriesischen Feuerwehren neben den Heumesssonden schwerpunktmäßig auch Heuwehrgeräte zur Verfügung gestellt. Die Standorte sind allen Feuerwehren bekannt.


Brandgefahr durch Düngemittel

Verschiedene Düngemittel neigen bei Einwirkung von Feuer aber auch schon bei geringer Wärmezufuhr zur Schwelzersetzung. Gebrannter Kalk kann sich bei Zutritt von Feuchtigkeit so stark erhitzen, dass brennbare Stoffe wie Heu, Papier, Torf und Holz entzündet werden können, deshalb:

  • insbesondere bei der Lagerung von ammoniumnitrathältigem Düngemittel darauf achten, dass diese vor starker Erwärmung (z. B. durch Lötarbeiten, Beleuchtungskörper elektrische Kabel und Motoren, Dampfleitungen, heiße Motorabgase) geschützt sind,
       
  • Brandkalk so befördern und lagern, dass dieser weder feucht werden kann noch mit brennbaren Stoffen in Berührung kommt. Brandkalk und Düngemittel niemals zusammen sowie nur auf geeignetem Untergrund, und nicht auf oder an brennbaren Trennwänden lagern.
       
  • im Zweifelsfalle den Händler oder einen Fachmann fragen, welche Stoffe sich gefahrlos zusammen mit anderen lagern lassen.

Bitte bedenken Sie:

Nach § 310a StGB kann derjenige, der Betriebe der Landwirtschaft, in denen sich Getreide, Futter- oder Streumittel, Heu, Stroh, Hanf, Flachs oder andere landwirtschaftliche Erzeugnisse befinden, in Brandgefahr bring, mit Freiheitsstrafe bis zu 3 Jahren oder mit Geldstrafe bestraft werden. Das "in Brandgefahr bringen" kann durch ein Tun, aber auch durch ein Unterlassen geschehen und den Versicherungsschutz gefährden.

Achtung

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