Transport von Gefahrgut im privaten Pkw

Eine unsachgemäße Ladungssicherung und falscher Transport von gefährlichen Gütern haben schon zahlreiche Unfälle zur Folge gehabt. „Glück im Unglück" haben dabei diejenigen Autofahrer, die plötzlich erfahren müssen, welche Energie schon in einer Flasche mit einem kohlensäurehaltigen Getränk oder in einer Spraydose mit einem Pflegemittel fürs Auto steckt, wenn diese Behältnisse unter stundenlanger Sonnenbestrahlung an einem heißen Tag ohne Vorwarnung im Auto bersten. Noch wesentlich schlimmer kann es ausgehen, wenn durch ausströmendes Gas in einem Pkw (z. B. aus einer Propangasflasche) eine heftige Explosion ausgelöst wird.

Sie sollten sich daher bewusst sein, dass ein allzu sorgloser Umgang mit Gefahrgut im privaten Pkw enorme Risiken bergen kann. Doch diese Risiken lassen sich durch "Gewusst wie" vermeiden. Unsere Ratschläge sollen Ihnen dabei helfen.

Gefahrgut: Wichtige Hinweise für den Einkauf

Woran erkenne ich, ob ein gefährlicher Stoff in einer Verpackung steckt, sei es in einer Dose, einer Gasflasche oder sonst einem Behältnis? Die Antwort: Ein quadratischer, auf der Spitze stehender Gefahrzettel muss auf der Verpackung kleben; zusätzlich muss eine vierstellige Nummer mit den vorangestellten Buchstaben "UN" auf ihr zu finden sein. Diese Kennzeichnung erläutert die Art des Stoffes und die Gefahr, die von ihm ausgeht. Doch sie im Einzelnen zu entschlüsseln, schaffen nur Experten. Das aber sollte jeder wissen:

Alltägliche Einkäufe von Mitteln für die Pflege von Haushalt und Garten, von Lacken und Klebern für den Heimwerker oder von Gaskartuschen und -flaschen fürs Camping: Nur wenige Pkw-Besitzer sind sich bewusst, dass eine solche Ladung ihr Auto zu einem Mini-Gefahrguttransporter machen kann und dass gerade deshalb besondere Sicherheitsvorkehrungen einzuhalten sind.

  • Zeigt der Gefahrzettel eine Flamme, steckt eine entzündliche Substanz in der Verpackung. Einen ätzenden Stoff – etwa eine scharfe Säure oder Lauge – enthält sie, wenn zwei Gläschen mit auslaufender Flüssigkeit über einer Hand und einem schwarzen Balken zu sehen sind. Dass der Inhalt giftig ist, bezeugt ein schwarzer Totenkopf auf dem Gefahrzettel.
       
  • Statt Gefahrzetteln können auch so genannte "Gefahrensymbole" auf Verpackungen zu finden sein, in der Regel zusammen mit näheren Angaben zur Art der Gefahr und zur Handhabung des Inhalts. Diese orangefarbenen Symbole sind rechteckig; ihre schwarz eingedruckten Warnhinweise für "Entzündlich, ätzend oder giftig" sind die gleichen wie bei den Gefahrzetteln.
      
  • Nur gefährliche Güter, die "einzelhandelsgerecht" verpackt sind, dürfen für eine private Beförderung im Pkw an Bord genommen werden. Bei den üblichen Einkaufsquellen für Jedermann – etwa Bau-, Heimwerker- und Supermärkten oder Drogerien – können Sie davon ausgehen, dass diese Forderung erfüllt ist.

Wenn Sie Zweifel haben oder nähere Auskünfte wünschen: Fragen Sie den Händler beim Einkauf und achten Sie genau darauf, dass die Verpackungen unbeschädigt sind. Ist etwa ein Kanister eingebeult, sollten Sie stattdessen ein unbeschädigtes Produkt verlangen.

Gefahrzettel:

Die wichtigsten Warnungen: 

Ein wichtiger Hinweis von Gefahrgut-Experten zu den aufgeführten Mengengrenzen:

Für Pkw sind sie im Grunde viel zu hoch angesetzt, wenn man die Ladekapazitäten und die Möglichkeiten zur fachgerechten Sicherung gefährlicher Güter bei einem Personenwagen zu Grunde legt – ganz abgesehen von den enormen Risiken bei einem Zusammenstoß. Deshalb der Expertenrat für den Pkw-Besitzer:

Mengengrenzen: Wie viel darf an Bord?

Was als Gefahrgut gekennzeichnet ist, darf nicht in beliebigen Mengen an Bord genommen werden. Hier eine kurze Übersicht zu den Stoffen, die typisch für den Haus-, Heimwerker- und Freizeitbedarf sind, bezogen auf private Beförderungen im Pkw:

  • Sehr streng sind die Limits bei Feuerwerkskörpern und bei Spraydosen mit giftigem Inhalt. Höchstens ein Kilogramm "Explosivstoffmasse" darf in den ersteren – etwa den Knallern fürs Silvesterfeuerwerk– enthalten sein, um sie mitnehmen zu dürfen. Maximal 20 Kilogramm sind im letzteren Fall erlaubt, hier gemessen am Gewicht der Dosen.
       
  • Bei Propan-Gasflaschen – etwa für Campingzwecke– beläuft sich die Höchstgrenze für private Transporte auf einen Inhalt von 333 Kilogramm; das gleiche gilt für Acetylen-Gasflaschen zum Schweißen. Klar, auch Sauerstoff-Flaschen braucht der Schweißer. Bei ihnen dürfen maximal 1.000 Liter eingeladen werden; das gleiche gilt für die Pressluftflaschen von Sporttauchern.
       
  • Von einigen Ausnahmen abgesehen, greift ein Grenzwert von 333 Litern bei Lacken, Farben, Verdünnern, Lösemitteln und Klebstoffen, die als gefährliche Güter klassifiziert sind. Das gleiche Limit ist bei Säuren und Laugen zu beachten.
       
  • Spraydosen, in denen ein feuergefährlicher, aber ungiftiger Inhalt steckt, dürfen bis zu einem Gewicht von 333 Kilogramm mitgenommen werden.
       
  • Soll Kraftstoff befördert werden, liegen die Höchstmengen bei 333 Litern (Benzin) und 1.000 Litern (Diesel). Achtung: Handelt es sich nicht um einen Transport, sondern im Auto vorhandene Reservekanister, sind maximal nur 60 Liter zulässig!

 

  • Begnügen Sie sich bei Gasflaschen mit einem Maximum von 100 Kilogramm. Das entspricht dem "Handwerkszeug" eines Schweißers und deckt locker alle Freizeitbedürfnisse ab.
       
  • Geben sie sich in allen anderen Fällen von großzügiger bemessenen Mengengrenzen mit einer Ladung von höchstens 50 Kilogramm zufrieden.

Gebote der Ladungssicherung

Das Gebot, die Ladung gut zu sichern, gilt doppelt bei der Beförderung brisanter Güter. Das bedeutet vor allem:

  • Verstauen Sie schwere Stücke – etwa Gasflaschen– möglichst tief im Kofferraum, also dicht hinter die Rückbank. Sorgen Sie auch dafür, dass nichts umkippen oder im Gepäckraum herumkullern kann. Zurrgurte und rutschhemmende Unterlagen leisten dabei gute Dienste; durch bündiges Zusammenrücken der Ladung vermeiden Sie "Staulücken". Achten Sie besonders bei Gasflaschen auf festen Halt!
       
  • Ist die Ladung im offenen Gepäckabteil eines Kombis oder in einem Anhänger
       
  • untergebracht, können Zurrgurte und Netze sie am Wegfliegen hindern. Schließlich wollen Sie ja nicht, dass Ihnen ein paar Lackdosen bei einer Vollbremsung ins Genick sausen, oder dass sich eine Gasflasche aus Ihrem Hänger "verabschiedet" und andere Verkehrsteilnehmer in Gefahr bringt.
       
  • Befördern Sie Gasflaschen – mitinbegriffen Pressluftflaschen für Taucher – nie
       
  • ohne Schutzkappen über den Ventilen: Damit das Ventil in keinem Fall abreißen kann, auch nicht bei einem Zusammenstoß. Die Missachtung dieser Regel hat schon schwerste Unfälle zur Folge gehabt.
       
  • Ob Gase, Benzin oder Lackverdünner: Bei allen Stoffen, die mit Luft ein explosives Gemisch bilden können, kommt es auf eine gute Belüftung des Wagens an. Also: Die Fenster ein wenig offen lassen und einem guten "Durchzug" mit dem Gebläse nachhelfen. So beugen Sie Gefahren vor, wenn doch einmal ein bisschen von der brisanten Substanz aus ihrem Behälter entweicht. Deshalb sollten auch Raucher auf ihre Zigarette während der Fahrt verzichten – und ebenso beim Ein- oder Ausladen. Apropos Ausladen: Gleich nach dem Transport sollte es aus Sicherheitsgründen geschehen.
       
  • Was hitzeempfindlich ist, gehört vor Sonneneinstrahlung geschützt und ebenfalls gleich nach der Ankunft von Bord geschafft – dies vor allem an heißen Sommertagen. Hierher gehören zum Beispiel Spraydosen und Kartuschen. Erhitzen sie sich über 50 bis 60 Grad, können sie unter Umständen wie kleine Bomben explodieren.

 Behutsam fahren

Schließlich, aber nicht zuletzt: Selbst wenn Sie es gerne flott angehen lassen – fahren Sie behutsam, wenn Brisantes an Bord ist. Höchst unangenehm kann es nämlich werden, wenn sich bei einem Hau-Ruck- Fahrstil plötzlich doch ein Kanister, ein Gebinde oder eine Gasflasche aus ihrer Halterung löst. Fatal kann es enden, wenn Ihnen ein Hintermann heftig ins Heck brettert und dabei gefährliche Ladung freigesetzt wird: Zum Beispiel als Folge eines riskanten Überholmanövers, bei dem Sie sich in eine Kolonne hineinzwängen mussten.

Noch zwei ergänzende Tipps:

  • Anders als die Gefahrgut-Profis müssen Sie keinen Feuerlöscher an Bord haben. Ratsam ist es dennoch, ein solches Gerät für Notfälle mitzuführen, und zwar einen ordentlichen Zwei-Kilo-Löscher. Das gilt vor allem dann, wenn Sie häufiger brisante Stoffe befördern.
       
  • Wussten Sie schon, dass auch in einem Reservekanister für Benzin oder Diesel ein gehöriges Quantum an "feuriger" Energie steckt? Wenn Sie einen installiert haben – ist der Kanister solide gebaut und mit einem entsprechenden Prüfzeichen versehen? Ist er in einer festen Halterung fixiert? Möglichst tief im Gepäckabteil sollte er seinen Platz haben, damit er nicht schon bei einem leichteren Heckanprall lädiert werden kann.

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